Mar 02
Die Stimme
Die Stimme von Elvis Presley verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert. Ähnlich wie bei anderen Größen der Popmusik (Al Jolson, Frank Sinatra, Bing Crosby, B. B. King und Ray Charles) war das eine der Grundlagen für seinen weltweiten Erfolg. Dennoch wurde ihm anfangs von meist weißen Musikkritikern jedes Gesangstalent abgesprochen. Dies hatte jedoch mehr mit deren Wahrnehmung einer Vermischung schwarzer und weißer Musikstile durch Presley zu tun, als mit dessen tatsächlich vorhandenen gesanglichen Talenten.
Bei zweieinhalb bis zu drei Oktaven wird von Fachleuten Presleys Stimmumfang angesetzt. Das ist ein beachtlicher Wert, der allerdings längst nicht als das wichtigste Charakteristikum seiner Stimme betrachtet wird. Diese zeichnet sich nämlich hauptsächlich durch eine nicht alltägliche Spannbreite der Stimmfärbung aus. Von einigen Analysten wird Presley als Tenor, von anderen wiederum als Bariton bezeichnet. Henry Pleasants, ein namhafter Musikkritiker und -historiker, bezeichnete Presley als einen Bariton. Dessen Stimme sei am besten im mittleren Bereich. Bei Balladen erreiche sie eine leichte, verführerische und weiche Bariton-Qualität. Elvis` Stimme sei in den oberen Regionen meist brillant. Diese Qualität habe sie allerdings nicht so in ihren Tiefen. Die Tiefe seiner Stimme vermittle sich hauptsächlich durch ihre typisch warme Klangfarbe. Gesangskollegen waren vor allem von der Phrasierung und den interpretatorischen Fähigkeiten auch des damals noch jungen Elvis angetan. Die Vielseitigkeit Presleys Stimme war ein weiteres hervorstechendes Merkmal. Diese ermöglichte es dem Sänger, in unterschiedlichen musikalischen Genres Erfolg zu haben, die völlig unterschiedliche Anforderungen an eine Stimme stellen.
Professor Richard Middleton schreibt die künstlerische Innovation von Elvis nicht so sehr dessen stimmlicher Vielseitigkeit zu, sondern der Fusion schwarzer und weißer Musikstile. Noch mehr hebt er die individuelle Gesangstechnik hervor, die er als „romantic lyricism“, „gospelization“ und „boogification“ charakterisiert.
